KlassenFragen - Zeitschrift für kommunistische Debatte und Politik

KlassenFragen Ausgabe 1 / März 2026

Editorial

Die Welt verändert sich in rasantem Tempo. Wir sind Zeuginnen und Zeugen einer Zuspitzung der weltweiten imperialistischen Konkurrenz, die vor allem den US-Imperialismus dazu drängt, seine Interessen wieder verstärkt militärisch durchzusetzen. Die Spannungen zwischen den Staaten nehmen zu. Wir könnten an der Schwelle eines neuen Weltkriegs stehen. Hinzu kommen Klima- und Umweltkrise, die Krise im Bildungssystem, die voranschreitende Rechtsentwicklung. Das Kapital und seine Regierung greifen massiv alle Errungenschaften der Arbeiterbewegung an. Diese Liste ließe sich lang fortsetzen. Der Widerstand gegen diese Angriffe ist noch zu zaghaft, zu schwach entwickelt und ihm fehlt die klare Perspektive. Aber es gibt ihn und er wächst.

All diese Entwicklungen fordern von uns Antworten. Um Antworten zu geben, bedarf es profunden Wissens des Marxismus-Leninismus und einer lebendigen kollektiven Diskussion. Antworten zu geben ist eine echte Herausforderung, auch da wir die Konterrevolution von 1989 noch nicht überwunden haben. Wir müssen diese Herausforderung annehmen, um wieder vorwärtszukommen und stärker zu werden. Die Diskussion um die richtigen Antworten wird in der kommunistischen Weltbewegung und natürlich auch in unserer Partei, der DKP, geführt; sie ist notwendig und alternativlos. In dieser Debatte sind sehr grundsätzliche Kontroversen erkennbar, auch um programmatische Fragen und Grundlagen unserer Weltanschauung; u.a. beim Strategiepapier zum Friedenskampf wird deutlich, dass die theoretischen Standpunkte praktische Konsequenzen haben. In jeder Diskussion zeigen sich notwendigerweise der Einfluss bürgerlicher Ideologie, Halbwahrheiten, subjektiv-verzerrte Eindrücke und dogmatische Standpunkte. Von der Pflicht, sich dahingehend selbst zu überprüfen, nehmen wir uns nicht aus. Der Kampf gegen diese Tendenzen ist unsere gemeinsame Aufgabe als Kommunistinnen und Kommunisten.

Zu klären ist, wie wir die Diskussion um diese Fragen organisieren können. Die UZ ist in erster Linie ein nach außen gerichtetes Öffentlichkeitsmaterial, das eine Parteidiskussion über strittige Fragen kaum kontinuierlich und in der gebotenen Tiefe leisten kann. Auch die Marxistischen Blätter können diese Rolle nicht spielen. Die gemeinsame Diskussion muss die kollektive Aufgabe der gesamten Partei sein. Entscheidend ist die Diskussion in den Gliederungen auf allen Ebenen.

Zu dieser Diskussion versuchen wir mit dieser Zeitschrift einen kleinen Beitrag zu leisten. Wir wollen Debatten und Kontroversen anstoßen. Dabei darf es in der Sache auch scharf und polemisch zugehen. Wenn das nützt, um die inhaltlichen Linien deutlicher und nachvollziehbarer zu machen, ist das für die Sache gut: Es geht um Argumente und nur wenn diese ausgetauscht werden, kann Wahrheitsfindung als kollektiver Prozess betrieben werden. Das schließt das Recht auf Irrtum ein und die Verleumdung von Personen aus. Es muss um Inhalte und Positionen gehen. Diese Zeitschrift kann nicht mehr als ein Anstoß sein; ihr wichtigstes Ergebnis soll die Resonanz in den Köpfen, Diskussionen und Reaktionen der Leserinnen und Leser sein. Je stärker das gelingt, desto besser erfüllt diese Zeitschrift ihren Zweck und in diesem Sinne freuen wir uns über kritische wie zustimmende Reaktionen gleichermaßen.

Als Geleitwort zu unserem Beitrag auf dem theoretischen Feld dieser Arbeit verweisen wir auf das, was unser Genosse Hans Heinz Holz 1999 geschrieben hat:

„Das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit geht aus den gemeinsamen Denkbemühungen derer hervor, die sich dem Thema widmen. Das kann nicht heißen, dass es ein Kompromiss zwischen Meinungen ist. Wissenschaftliche Richtigkeit beruht auf der Genauigkeit der Analyse und auf der Schlüssigkeit der Argumente.“ 1

Die Zahl der Genossinnen und Genossen in der DKP ist gesunken. Aber immer noch engagieren sich viele von ihnen – junge wie ältere – mit hohem persönlichem Einsatz für die Partei. Vor allem an sie richten wir uns.

Die Entwicklung der Welt ist nicht so eingerichtet, dass wir uns erlauben können, schwach zu bleiben. Die Zuspitzung der Widersprüche des Kapitalismus in seinem letzten Stadium bereitet seine Ablösung vor. Der Sozialismus ist die Antwort auf diese Widersprüche.

Die sozialistische Revolution von morgen in den Kämpfen von heute vorzubereiten – die Klassenfrage herauszuarbeiten – bleibt deshalb unsere Aufgabe.

Der Herausgeberkreis

1 H.H.Holz »Sozialismus statt Barbarei«, Essen 1999, S.9