KlassenFragen - Zeitschrift für kommunistische Debatte und Politik

KlassenFragen Ausgabe 1 / März 2026

Debatte um den Imperialismus – Vorwort zur aktuellen Ausgabe

Vor euch liegt die erste Ausgabe der „KlassenFragen“. Dieses Heft versammelt Beiträge zur Debatte um den Imperialismus, die unsere Partei in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt hat und weiter beschäftigen wird: die Frage, wie wir den Imperialismus heute analysieren und was daraus für unsere Strategie und Praxis folgt. Wir hoffen, dass das vorliegende Heft Kontroversen und ideologische Verschiebungen im Imperialismusverständnis sichtbar macht. Es soll dazu beitragen, dass notwendige weitere Diskussionen geführt werden und die gemeinsame Arbeit an einem vertieften Verständnis des heutigen Imperialismus befördern.

Der erste Block beschäftigt sich mit politisch-praktischen Fragen zum Friedenskampf. Was fordert die gegenwärtige Kriegsgefahr konkret von uns? Welche Strategie braucht die Friedensbewegung? Das sind Fragen, die Heide Humburg in ihrem Beitrag „Klassenkampf gegen die Kriegsordnung“ untersucht. Jürgen Lloyd nimmt kritisch zur Forderung einer „Regierung des Friedens" Stellung. Zu den Hintergründen der Wehrpflicht und der Bedeutung des Kampfs dagegen schreibt Jan Meier.

Der zweite Block zur Imperialismusdebatte in der DKP steht im Zentrum des Heftes. In seinem Beitrag über die Krisenbewältigungsstrategie des deutschen Imperialismus erklärt Leon Saurie, dass das Festhalten der Bundesregierung an der „Westbindung" weder irrational noch Ausdruck ideologischer Verblendung ist, sondern Ergebnis von realen Zwängen und Interessen des deutschen Kapitals.

Olaf Peters beschäftigt sich mit den Hoffnungen auf Multipolarität und BRICS und den Kontroversen der jüngsten Parteitage. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die Formel vom „Hegemonieverlust" und die Hoffnung auf eine kooperative multipolare Weltordnung theoretisch tragfähig sind oder ob sie letztlich auf die alte Illusion hinauslaufen, es könne einen Kapitalismus ohne Imperialismus geben. In einem zweiten Beitrag setzt Olaf sich mit nationalen Befreiungsbewegungen auseinander und argumentiert, dass in der Debatte in der DKP deren Erfahrungen und gerade die größten Erfolge nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Der dritte Block ergänzt das Heft um aktuelle Analysen. Im Fokus steht die Rolle Chinas: als Akteur auf dem Weltmarkt, als Kapitalexporteur in Länder des Globalen Südens und als Verteidiger der liberalen Weltordnung. Lucas Zeise analysiert, wie sich die USA unter Trump mit ihrer aggressiven Zollpolitik vom liberalen Welthandelsregime verabschieden und weshalb China zum Verteidiger eben dieser liberalen Weltordnung avanciert. Am konkreten Beispiel der laotisch-chinesischen Eisenbahn zeigt Markus Bernd auf, dass chinesische Auslandsinvestitionen und Kredite ungleiche Entwicklung und Abhängigkeiten nicht aufheben, sondern fortschreiben.

Als theoretischen Referenzpunkt schließt das Heft mit Auszügen aus Lenins Imperialismus-Schrift, die wir nicht als historisches Relikt dokumentieren, sondern als Einladung, sie (erneut) zu studieren - insbesondere Lenins Auseinandersetzung mit Kautsky, die für die heutige Debatte in unserer Partei von unmittelbarer Relevanz ist.

Einige Beiträge erscheinen unter Pseudonym. Das hat berufliche Gründe – keine politischen. Wir verstecken uns nicht. Wer wissen möchte, wer hinter einem Beitrag steht, kann sich gerne melden.

Wir freuen uns über Rückmeldungen – auch kritische. Leserbriefe und eigene Beiträge sind ausdrücklich willkommen. Unsere Zeitschrift soll ein Ort für die Debatte in der gesamten Partei sein, Grundorganisationen und Bezirke sind ausdrücklich eingeladen, sie für Diskussionsbeiträge zu nutzen.

Die nächste Ausgabe wird den Schwerpunkt Sozialismusvorstellungen haben. Wir freuen uns auf Beiträge und Diskussionen dazu.

Arbeitskreis Klassenfragen